Myanmar – Malaysia

Myanmar – Malaysia – Thailand 2015

Als ich den diesjährigen Reisebericht begann, war ich im Hotel in Mandalay, draußen rief ein Mönch zum Gebet, ein Teil der Schotterstrasse vor dem Haus war gesperrt, damit die Gläubigen meditieren konnten und auf dem Hotelflur wurde ‚Walking in a Winterwonderland‘ gespielt. Draußen waren über 30 Grad und wir waren seit fünf Tagen unterwegs. Weitere 30 Tage Asien sollten folgen.
Für Elke und mich fing das neue Jahr also fulminant an: mit einem Flug am 1.1.2015 nach Kuala Lumpur. Dort angekommen bestaunten wir Chinatown, die modernen Gebäude Malaysias, den muslimischen Markt, die tropische Umgebung sowie die höchsten Zwillingstürme der Welt, die Petronas Towers. Wie bereits 2014 sollten uns auch auf dieser Reise einige Weltrekorde begegnen. Nach zwei Nächten flogen wir nach Myanmar, dem Grund unserer Reise. Mandalay war unsere erste Etappe und als wir dort abgekämpft ankamen, waren wir erst mal leicht geschockt, war Mandalay doch sichtbar ärmer als wir es aus Laos kannten. Umringt von Taxifahrern mit roten Zähnen am Flughafen von Mandalay atmeten wir erst mal durch und stellten unsere Uhren 5,5 Stunden vor. Das Land hat eine eigene Zeitzone, die sich von den Nachbarn Indien und Thailand um eine halbe Stunde unterscheidet. Überhaupt ticken die Uhren in Myanmar anders. Die Woche hat hier acht Tage. Der Mittwoch wird astrologisch in zwei Tage (Vormittag und Nachmittag) aufgeteilt. Und es wird dreimal Neujahr gefeiert. Das europäische, das chinesische im Februar und das birmanische Wasserfest im April. Ich hatte eigentlich keine konkreten Erwartungen an Mandalay gehabt, aber irgendwie hatte ich es mir etwas kleiner und pittoresker vorgestellt. Dem war nicht so. Mandalay ist eine große Stadt mit weit über 1 Mio. Einwohnern.
Es war ungewohnt, die Sandstrassen ums Hotel stockdunkel, überall freilaufende Hunde, daran mussten wir uns erstmal gewöhnen. Aber das taten wir, dank Taschenlampen. Und die Birmanen eroberten unsere Herzen im Sturm und die Stadt mit ihren goldenen Pagoden tat es schließlich auch. Viele Reisende lassen Mandalay aus, die die da waren hatten den gleichen ersten Eindruck wie wir. Ich möchte den Besuch in Mandalay nicht missen.cropped-20150105_173623.jpg
Am nächsten Tag erkundeten wir die Tempel in denen wir meist die einzigen Europäer waren. Vom Kloster am Stadtberg aus beobachteten wir den leuchtend roten Sonnenuntergang, der von uns sowie den Mönchen, in ebenso roten Kutten, fotografiert wurde, und waren angekommen. Drei bizarre, im Raum quasi schwebende Rolltreppen führen zu dem Kloster hinauf. Manches Moderne mutet uns Europäern an den heiligen Stätten Myanmars seltsam an, scheint deplatziert, so auch die blinkenden Lampen um manche Buddhaköpfe, ein quietschbunter Heiligenschein. Aber Buddha hat ja auch Veränderung gelehrt und die Birmanen modifizieren eben gerne. Ein Grund warum Bagan von der Unesco  nicht zum Welterbe gemacht wird. Die Birmanen bauen an den Pagoden dort einfach in ihrem Sinne, nicht aber im Sinne der Unesco weiter.

In Mandalay befindet sich ‚das größte Buch der Welt‘ – die Kuthodaw-Pagode hat 729 Stupas mit je einer Marmorplatte, in die Buddhas Lehre in Stein gemeißelt ist. Solche wunderschönen Pagodenfelder sahen wir noch oft, immer anders, immer wieder zum nicht-satt-sehen. Das Land mit den vielen Namen, von den Briten Burma genannt, in Deutschland Birma, jetzt umbenannt in eben Myanmar, um sich von dem kolonialen Namen zu trennen, ist doppelt so groß wie Deutschland und hat 60 Millionen Einwohner mit ca. 150 Volksgruppen. Es erstreckt sich vom Himalaya bis zur Malaiischen Hauptinsel. Jeder der schon mal in Myanmar war sagte uns dasselbe: es ist wunderschön. Fahrt jetzt hin. Und ja, sie hatten alle Recht. Dieses Land, dass sich nach 30 Jahren völliger Abschottung durch die Militärdiktatur, vor ein paar Jahren langsam wieder geöffnet hat ist ein wahres Kleinod. Vieles scheint wie konserviert, die zahlreichen alten 80er Jahre Toyotas, die teils recht abenteuerlich zusammengeflickt sind, Pferdewägen, die Männer und Frauen in den traditionellen Longyis, einer Art Wickelrock, Frauen, die ihre Waren auf dem Kopf tragen und die teils kunstvollen Gesichts-Bemalungen. Die gelbe Thanakapaste wird mit Wasser und Rinde hergestellt, dient als Sonnenschutz, Feuchtigkeitsspender und Verzierung und wird in unterschiedlichen Mustern im Gesicht aufgetragen.

Myanmar unterliegt dem Wandel. Gab es vor drei Jahren noch so gut wie keine Geldautomaten, hatten jetzt sogar einige Hotels einen. Mancherorts wurde uns jubelnd zugewunken, da man Fremde nicht gewohnt ist. Wir wurden oft ebenso neugierig angeschaut, wie wir neugierig alles beobachteten.
Es ist nur eine Frage der Zeit, dass sich das Bild dieses Landes weiter ändert. Aber zurück zu Mandalay. Schon am ersten Tag fiel uns die unglaubliche Freundlichkeit der Birmanen auf. Jeder wollte uns helfen. Sei es bei der Suche nach dem Weg oder einem Taxi oder sonstwas. Alleinreisende Frauen werden hier regelrecht umsorgt. Am zweiten Tag trafen wir Sweet, das war sein Spitzname. Den richtigen Namen konnten wir nicht aussprechen. Die burmesische Aussprache fiel uns schwer, die runde, kunstvolle Schrift hingegen fanden wir so schön wie keine andere. Sweet war über 60. Das Alter wird in Myanmar durch den Namenszusatz ‚U‘ ausgedrückt. Er war Guide, organisierte aber nur noch Touren. Da wir uns mochten, zeigte er uns persönlich am nächsten Tag das Umland und die Königsstädte. Er war geschichtsbegeistert, zeigte uns eine Blattgoldschmiede, diverse Klöster und den grössten Buddha des Landes. Die mit viel Schweiß hergestellten Goldblättchen werden als Opfergaben an die Buddhafiguren geheftet. Wir bekamen Gold auf die Stirn. Nur Männer haben Zutritt zu der imposanten Buddhastatue Mahamuni, welche bis auf den Kopf über und über mit insgesamt 250 kg Blattgold beklebt ist. Beeindruckend. Der Kopf des Buddhas wird jeden Morgen um 4.00 Uhr von den Mönchen gewaschen. Nie zuvor sah ich so viele meditierende Menschen in Tempeln wie in Myanmar. Die Birmanen sind tief religiös, nicht selten sahen wir morgens Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder beim Sport auf der Straße beten. Mönche und Nonnen gehören ebenso wie die vielen Pagoden zum Bild. Jeder Tempel, und wir sahen viele, war besonders und friedvoll. Sweet erklärte uns alles ausführlich, so ausführlich, dass wir bei all den Königen und der Kunstgeschichte nach 5 Stunden nicht mehr ganz folgen konnten. Da hatten wir bereits zig Klöster und Pagoden hinter uns, sowie eine durchrüttelnde Kutschfahrt  inmitten von Reisfeldern. In einem der kunstvoll geschnitzten Holzklöster lernten gerade die Dorfkinder, die nicht zur Schule gehen konnten, unter der Aufsicht des Hauptmönches. Sie knieten sich vor ihm hin und zitierten die Lehren Buddhas. Am Ende des Ausflugs kamen wir in Amarapura an, wo sich die mit 1,2 km längste Teakbrücke der Welt befindet. Wieder Sonnenuntergang vor spektakulärer Kulisse. Viele sollten noch folgen. Da in Myanmar Tag- und Nachtgleiche herrscht, geht die Sonne ziemlich genau um 6.00 Uhr auf und um 18.00 Uhr unter.
In Mandalay sah ich einige Gläubige, wie sie um kreisförmig angeordnete Buddhas Wasser schüttete und Opfergaben davor stellten. Bei näherer Betrachtung war je ein Tier vor dem Buddha. Sweet erklärte uns, dass jedem Wochentag ein Tier zugeordnet ist.
Der Wochentag an dem man geboren wird spielt auch bei der Namensgebung eine große Rolle. Wird man in Myanmar an einem Sonntag geboren, wie Elke, beginnt der Name automatisch mit einem Vokal und das Schutztier der Sonntagskinder ist der mystische Vogel Garuda. Mein Tier (Dienstag), der Löwe.
Astrologie und Religion sind in Asien kein Wiederspruch, oft sind vor Tempeln Astrologen zu finden. Der Diktator Ne Win vertraute seinen Astrologen in den 1980ern so sehr, dass er sogar die Währung von einem Tag auf den anderen änderte. Da seine Glückszahl 9 war, kamen nur Scheine, die durch 9 teilbar waren auf den Markt. Ebenso änderte er auf den Rat seiner Astrologen hin, den Linksverkehr von einem Tag auf den anderen auf rechts. Aber das ist Geschichte und nur noch durch die meist rechtsgesteuerten Autos zu erkennen.
Von Mandalay flogen wir nach Bagan. Die einst größte buddhistische Stadt der Welt ist atemberaubend. Wir radelten durch die über 2000 Pagoden, die teils 1000 Jahre alt sind und blieben weit länger als geplant. Hier machten wir die erste Ballonfahrt unseres Lebens. Und keine bessere Kulisse hätten wir uns aussuchen können, als zum Sonnenaufgang über diesen magischen Ort zu schweben. Trotz meiner Höhenangst, fühlte sich das in dem Korb sehr sicher an und den Blick auf die anderen Ballons und die zahllosen Pagoden werden wir wohl nie vergessen. Es erscheint uns heute noch ein wenig surreal, wie wir leise über Bagan schwebten, mal ganz hoch, mal nah an den Pagoden. Elke hat einen Teil gefilmt und manchmal schauen wir das Video immer noch verwundert an.
Auch ein sehr netter Kutscher, der uns wild durch Bagan fuhr wird uns im Gedächtnis bleiben. Er hieß Aung und als ich sagte, er müsse wegen seines Namens an einem Sonntag geboren sein, erzählte er mir seine Lebensgeschichte und gab mir seine Telefonnummer. Wie viele Birmanen kaute er Betelnüsse und lächelte mich ganz lieb mit roten Zähnen an. Seine Glückszahl war die 27 und da Glück wie in ganz Südostasien eine große Rolle spielt wünschten wir ihm viel davon. Die bereits erwähnten roten Zähne kommen von der Betelnuss. Das Betelnuss kauen ist in Myanmar eine bei Männern äußerst beliebte Beschäftigung. Sobald man aus dem Flughafen kommt, fällt einem diese Leidenschaft anhand der roten Flecken auf der Straße auf. Die Betelnuss, bzw. ein paar Stücke davon, werden in das Blatt des Betelpfeffers eingewickelt und mit Kalk bestrichen. Manchmal auch mit Gewürzen. Überall gibt es Betelstände. Die Wirkung soll wie die vom starkem Kaffee oder Schnaps sein und der rote Speichel, der vom Kauen entsteht, wird mehrfach leidenschaftlich ausgespuckt. Wir waren irgendwann recht geübt, und wichen dem Spucken in den engen Gassen Yangons geschickt aus. Allerdings nicht ohne manchmal ein leises Wimmern von uns zu geben. Die Spuckgeräusche fanden wir weniger schön. In Bagan wurden wir auch zum ersten Mal von ein paar Mädchen gefragt, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Zur Verabschiedung sagten sie ‚you are beautiful‘ zu uns und wir sagten ‚you too‘. Das passierte noch öfter. Auch andere Birmanen fragten uns, ob wir Fotos von ihnen machen wollten und holten die ganze Familie.
Von Bagan aus flogen wir nach Heho um weiter zum Inle See zu fahren. Einige Flughäfen in Myanmar sind die reizendsten, die ich je sah. Klein, jeder hilft einem, die Abflugzeiten sind teilweise einfach an eine Tafel geschrieben und die Tickets werden handschriftlich erstellt. An den Flughäfen Burmas trafen wir auch immer wieder Reisende, die wir schon vorher irgendwo auf unserer Route gesehen hatten. Die Touristen sind überschaubar und so trifft man sich tatsächlich immer zweimal.
Der Inle See ist der zweitgrößte See des Landes und zählt wegen der schönen Landschaft und den schwimmenden Gärten zu den Höhepunkten Myanmars. Um den See herum erheben sich die bis zu 2000m hohen Shan Berge. Die zahlreichen Fischer sind bekannt für eine extravagante Rudertechnik. Dem Einbeinrudern.

Wie das genau funktioniert verstanden wir erst bei einer Tagestour auf dem See. Bei Morgengrauen fuhren wir mit zwei jungen Bootsführern los. Erstmal mussten wir über einige Longtailboote klettern um zu unserem zu gelangen. Etwas was ich bei den schaukelnden Booten stets etwas unheimlich finde. Aber nach ein paar Asienreisen geht das immer besser. In unsere Fliesjacken und Schals gewickelt und von Möwen begleitet brausten wir also los. Der Blick über den nebelverhangenen See und die Fischer war einmalig. Auf den schmalen Booten schlingen die Fischer ein Bein um das Ruder und bewegen es mit Fuß und Hand im Stehen. So bleibt eine Hand zum Fischen frei. Außerdem kann man so gut durch die kleinen Kanäle und schwimmenden Gärten, wo reichlich Früchte und Gemüse wachsen, manövrieren. Am See sind zahlreiche Dörfer mit Märkten, allerlei Kunsthandwerk und natürlich Tempel. Elke und ich lieben die asiatischen Märkte und die Myanmars gefielen uns am Besten. Immer ein Spektakel und buntes Treiben. Die alten Marktfrauen mit farbigen Tüchern auf dem Kopf rauchten oft ‚Cheroot‘, eine Art Zigarre.

Unsere Bootsführern folgten uns in den Dörfern wie Leibwächter und behielten uns stets im Auge, damit wir ja nicht verloren gingen. Myanmar ist bekannt für sein Kunsthandwerk, für Keramik-, Messing-, Silber- und Lackarbeiten und handgewebte Stoffe. Nach und nach auf der Reise landeten zahlreiche Mitbringsel in unseren Rucksäcken und ein paar von den liebenswerten Verkäufern werde ich durch diese Andenken gut in Erinnerung behalten. Wie auch in Laos schlugen die Verkäufer mit den eben verdienten Kyat Scheinen auf ihre Ware, um Glück zu haben. Auf einem der Märkte kamen Mönche auf mich zu. Sie wollten ein Foto mit mir machen. Vielleicht fanden sie, mein türkiser Schal würde sich gut zu ihren roten Kutten machen. Jedenfalls entstand so eins meiner Lieblingsfotos.

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Ich habe von Myanmar unendlich viele Farben im Kopf. Das Gelb der Thanakapaste in den freundlichen Gesichtern. Die Farben der Longyis, insbesondere die grünen Longyis, welche die Kinder im ganzen Land als Schuluniform tragen. Das Dunkelrot der allgegenwärtigen Mönche natürlich. Auch Rosa. In Myanmar gibt es sehr viele Nonnen, die Rosarote Kutten tragen. Täglich sieht man Mönche und Nonnen bei ihren Almosengängen. Und natürlich Gold, dass sich auf den Pagoden durchs ganze Land zieht.
Vom Inle See ging unsere Reise weiter nach Thandwe. Hier wollten wir ein bißchen am Strand von Ngapali bleiben. Angeblich Myanmars schönstem Strand. Und ja, der 7 km lange recht einsame Strand war wunderschön. Hier an der Westküste sahen wir die allerschönsten Sonnenuntergänge.20150117_175026
Wir blieben statt 3 Tagen ganze 6. Zum einen, weil es uns gefiel und wir eine Verschnaufpause brauchten. Zum anderen setzte uns ein rotes Thai Curry kurz außer Gefecht. Auch eine Erfahrung. Thai Curry deshalb, weil Myanmar nicht gerade für seine Küche berühmt ist. Die Speisen werden meist mit einer sehr dicken Ölschicht bedeckt, um sie zu konservieren und vor Staub zu schützen. In einem empfohlenen Restaurant in Mandalay, befanden wir nach kurzem Blick auf die öligen Speisen, dass das burmesische Essen nicht ganz unseren Geschmack trifft.
Also aßen wir Banausen viel indisch, thai und sogar Pizza. Das verschlafene Ngapali haben wir sehr genossen und so konnten wir gut erholt weiter nach Yangon fahren. Die ehemalige Hauptstadt Rangun, umbenannt in Yangon, hat 5 Mio.
Einwohner und ist eine wuselige Stadt. Viele hupende Autos und quirlige Strassen. In die neue, aus dem Boden gestampfte Hauptstadt Naypyidaw verirrt sich kaum jemand. Ich habe es ja nicht so mit Großstädten, aber Yangon liebte ich. Es hat einen gewissen Charme einer vergangenen Zeit. Hier findet man noch unzerstörte Stadtviertel, Kolonialbauten, auch Hindutempel und Moscheen. Viele der alten Häuser an den Straßen sind total zerfallen, aber bewohnt und schön. Kuba muss ähnlich sein. Aus der Zeit gefallen. Wir erschließen uns Städte gerne zu Fuss, so kamen wir zu den lustigsten Märkten in einigen Straßen. Wie Elke sagt: ehrliche Märkte. Allüberall Strassenstände, nichts, das nicht feilgeboten wurde. Und überall T-Shirts mit Aung San Suu Kyi und der Überschrift ‚Freedom‘ oder ‚Democracy‘.  Die ‚Lady‘, wie die Friedensnobelpreisträgerin genannt wird, ist ein allgegenwärtiges Bild in Myanmar und hochverehrt. Manche munkeln zwar, dass sie nur wegen ihres Vaters, dem Unabhängigkeitshelden Bogyoke Aung San, der einem Attentat zum Opfer fiel, so berühmt geworden sei, aber egal. Die immens populäre Dame ist nach ihrem 15 Jahre dauerndem Hausarrest inzwischen im Parlament. Seit 2011 hat das Land nach der Militärherrschaft einen zivilen Präsidenten. 2015 sind Wahlen. Wir werden sehen, ob Suu Kyi eine Chance hat. Sie ist und bleibt jedenfalls die Symbolfigur des Widerstands. Bekannt wurde sie mit einer flammenden Rede, die sie Ende der 1980er an der Shwedagon Pagode hielt.
Shwe heißt Gold und ist eine beliebte Vorsilbe bei Pagoden. Die Shwedagon Pagode ist das Wahrzeichen des Landes und der beeindruckendste Tempel, den ich je sah. Fast 10 Tonnen Gold sind darauf. Vom Kandawgyi See hat man einen wunderbaren Blick darauf. Wir waren oft an dem See, über den man auf zahlreichen Brücken gehen kann. Abends saßen wir mit einem Myanmar Bier dort um uns vom Trubel Yangons zu erholen. An dem See finden oft Rock- oder Popkonzerte statt, welchen wir aus der Ferne lauschten während der Boden vibrierte. Birmanen lieben Musik. Da englische Lieder lange verboten waren, sind viele bekannte Songs übersetzt worden. Wir hörten einige burmesisches Versionen, die uns bekannt vorkamen.

Obwohl wir viel zu Fuss liefen, war Yangon zu gross und zu heiss um alles zu erlaufen. Also fuhren wir auch ganz viel Taxi. Das Bussystem war zu unübersichtlich, die alten bunten 70er Jahre Busse voll und die Taxis günstig. Und wir liebten die netten Taxifahrer. Einmal hatten wir uns in Gluthitze verirrt und ein Fahrer winkte uns einzusteigen. Wir wollten zur Sulepagode und als wir dort angekommen nach dem Preis fragten, wollte er kein Geld und meinte, er hätte uns gerne geholfen. Wo gibt’s denn sowas? Immer wieder stellte die Adresse unseres Hotels die Fahrer vor eine Herausforderung, wir schauten gemeinsam in den Stadtplan, erklärten wo es sei, auf dem Weg wurde mehrfach Rücksprache mit anderen Taxifahrern oder mit Passanten gehalten und wenn wir endlich das Hotel Esta gefunden hatten, lachten die Taxifahrer und wir auch. Wir hatten den Eindruck, dass sich alle Taxifahrer Yangons kannten, weil sie an den Ampeln die Fenster runterkurbelten und plauderten. Aber die Birmanen halten gerne ein Schwätzchen. Auch wir wurden oft auf der Straße angesprochen, woher wir seien, ah Germany, Guten Tag, was wir machen, wo wir schon waren usw.
Von Yangon aus machten wir einen Abstecher ins nordöstlich gelegene Bago, der alten Hauptstadt der Mon. Dort wurden wir von den vier sitzenden 30m hohen Buddhas begrüßt, sahen die Swethalyaung und die Shwemawdaw Pagode, Klöster, den alten Palast und große, liegende Buddhas. Bei einer Pagode begegnete uns ein Mönch. Er plauderte mit uns und wollte uns seine Pagode zeigen. Und natürlich ein Foto mit uns machen. Er war seit 13 Jahren Mönch, zuvor Fischer. 12 Jahre davon hatte er aufgrund eines Schweigegelübdes nicht gesprochen. Nun holte er das nach und redete wie ein Wasserfall. Auch er brachte uns bei der Pagode zu unseren Schutztieren, dem Garuda und dem Löwen. Davor waren Geldboxen und wir spendeten wie immer gerne. Glück auf Reisen kann nie schaden. Zur Verabschiedung bat er uns ihm zu schreiben. Das machen wir.
Wir hatten auf unseren Reisen bisher immer viel Glück und wunderbare Erlebnisse und Begegnungen. In Yangon trafen wir z.B. auf Florian und Neng, einem Paar, das in Chiang Mai lebt. Florian war früher Arzt, nun Reiki Meister und unterhielt uns mit wilden Geschichten aus seinem bewegten Leben. Sie baten uns sie zu besuchen, sollte es uns mal wieder nach Chiang Mai verschlagen.

Elke und ich sind ein eingespieltes Team, wir passen gut aufeinander auf, lachen viel und verstehen uns oft ohne Worte. Elke hat die besten Unterkünfte und Flüge für uns gebucht, daher: Danke fürs Organisieren liebe Elke! Eine bessere Reisefreundin könnte ich mir nicht wünschen.
Man kann das ‚Goldene Land‘ schwer in Worte fassen. Rudyard Kipling sagte dazu: „Dies ist Burma, ein Land, das ganz anders ist als alle anderen, die Du kennst.“ Wie wahr. Schaut es am Besten selbst an solange es noch so ist. Ein Freund von mir war schon dreimal in Myanmar und hat mir immer davon vorgeschwärmt. Er fährt dieses Jahr wieder. In den Süden des Landes, soll auch wunderschön sein. Ich verstehe ihn gut. Wir haben uns bei dieser Reise viel Zeit gelassen und uns auf ein paar Orte konzentriert. Das war gar nicht so geplant, aber uns gefiel es uns das Treiben anzuschauen und uns mit treiben zu lassen. Wir waren bestimmt nicht zum letzten Mal in Myanmar.
Am letzten Abend verabschiedete uns Myanmar mit einem letzten Blick auf die golden leuchtende Shwedagon Pagode und einer wilden Taxifahrt mit einem Fahrer der lauthals die birmanische Version von Ra-Ra-Rasputin sang. Wir sangen ein bisschen mit und lachten.
Glücklicherweise schnitt Elke die Taxifahrt mit und wir hörten uns den singenden Fahrer noch ein paar mal an und lachten Tränen. „Mingalaba“ sagt man in Myanmar zur Begrüßung, was „Möge Segen über Dich kommen“ heißt. Und Glück und Segen wünschen wir diesem einmaligen Land.

Nun sind wir in Thailand, in der Andamanensee auf der Insel Koh Kradan, einem wahren Juwel. Nichts los, türkisblaues Wasser und ein Korallenriff mit bunten Fischen direkt vor der Tür. Ein Paradies für Taucher und Ruhesuchende. Wir schnorcheln, gehen spazieren, trinken Mangoshakes, spielen Kniffel und ich muss zum tauchen nur ein paar Meter ins Wasser stapfen. Abends verwöhnt uns unser Lieblingskellner Yu und wir lassen’s uns gut gehen. Während Elke gerade bei der Aloe Vera Massage ist schreibe ich die letzten Zeilen.
Da fällt mir noch unsere Fussmassage am Inle See ein. Die darf nicht fehlen. Im Hostel Four Sisters wurde das angeboten und wir konnten eine vertragen. Sie fand überraschenderweise im Wohnzimmer der Familie statt und so schauten wir während der Massage mit der ganzen Familie eine burmesische Serie an. So bekommt man auch Einblicke.
Morgen in aller Frühe werden wir bei Sonnenaufgang vom Boot abgeholt und reisen dann wieder nach Kuala Lumpur und am Folgetag zurück nach Deutschland. Heute vorm Schlafengehen hören wir nochmal unser diesjähriges Reiselied: The Road to Mandalay.
5 Wochen waren wir unterwegs. Elke kommt gerade von der Massage, als nächste bin ich dran. Die Masseurin hat extra Kuchen für uns gebacken.

Reisen ist Glück sagt ein birmanisches Sprichwort. Das habe ich gerade erfunden, aber so ist es. Asien wird uns einfach nicht langweilig. Bhutan soll auch sehr schön sein und angeblich leben da die glücklichsten Menschen der Welt…
Ganz liebe Grüsse aus Thailand
Eure Annette