Koutoubia Moschee

Marrakesch (Marokko)

Die rote Stadt!

Unser Flug landete um 23.30 Uhr in Marrakech, der „roten Stadt“. Vorm Flughafen stand ein Fahrer mit dem Schild ‚Riad Dabachi‘ und schon 15 Minuten später standen wir auf dem Gauklerplatz mit seinem Nachtmarkt, den letzten Musikern, Wahrsagern und Schlangenbeschwörern.
„Bienvenue à Marokko“ sagte ein Mann neben unserem Riad am nächsten Morgen. Wir bewunderten gerade seine schöne Haustür, als er heraustrat. Willkommen. Das hörten wir noch oft in Marrakesch. Unser schönes Riad  Dabachi lag in einer ruhigen Gasse unweit vom Hauptplatz Jemaa el-Fna mitten im Souk der Medina. Die Gassen um unser Riad wechselten ihr Gesicht im Laufe des Tages. Früh morgens noch ruhig, schwellt das Gewusel mit zunehmender Uhrzeit an um abends seinen Höhepunkt zu erreichen. Am selben Fleck um die Ecke von unserem Riad war morgens ein  Brotverkäufer, nachmittags ein Schuhverkäufer und abends ein Stand mit frischer Minze für das Hauptgetränk der Marokkaner: Minztee. Genauso verhielt es sich auf dem berühmten Platz Jemaa el-Fna. Früher war dies der Platz der Gehengten, auf dem die Köpfe der hingerichteten ausgestellt wurden. Heute ist der Platz besser unter dem Namen ‚Gauklerplatz‘ bekannt. Der Name erklärt sich schnell beim ersten Besuch. Neben einigen Ständen mit Obst oder Nüssen und Datteln sitzen hier die Hennamalerinnen – Maryam möchte mir unbedingt ein Hennatatoo auf die Hand malen, während ich gerade versuche einem Mann mit einem Affen auszuweichen. Non, Merci, La shukran, nein, Danke, ich möchte kein Foto mit einem Affen auf dem Kopf, auch wenn der Affe eine Windel trägt. Daneben die Schlangenbeschwörer, die mit aufgeblasenen Wangen vor den aufgerichteten Kobras in ihre Flöte pusten. Bunte Wasserträger mit großen Hüten lassen sich mit Touristen fotografieren, ein Zahnzieher mit Prothesen und Zangen am Tisch bietet seine Hilfe bei Zahnschmerzen an. Das ganze untermalt von Trommlern und Musikern. Ein Spektakel. Am späten Nachmittag, während der Muezzin zum Gebet ruft, setzen wir uns in eines der zahlreichen Cafés am Platz, denn jetzt kommen neue Akteure auf die Bühne des Gauklerplatzes. Die Essensstände für den Nachtmarkt rollen an, gezogen und geschoben von diversen Männern. Als erstes werden die Schneckenstände aufgebaut. Alle Stände feinsäuberlich nummeriert, damit man auch weiß, wer wo steht. Dazwischen schlagen Artisten Flickflacks, während am Platz in Windeseile immer mehr Essensstände und Tische für den Nachtmarkt aufgebaut werden.

Gauklerplatz

An den schon fertigen Schneckenständen servieren Herren in weißen Kitteln bereits dampfende Schälchen. Spät abends kommen wir wieder, wir wollen bei Hassan am Stand Nr. 70 noch einen Gewürztee trinken. Junge Männer versuchen uns an ihren Essensstand zu locken, unsere Aussage, dass wir schon zu Abend gegessen haben interessiert nicht, einfach weitergehen zu Hassan. Ab und zu hören wir Applaus an den Essensständen. Einer der Lockvögel hat neue Gäste an den Stand gebracht, die Kundschaft wird von den Köchen mit Beifall begrüßt. Die Hennamalerinnen sind weg, dafür sind jetzt verschiedene Wettstände am Platz, ein paar Jugendliche versuchen Colaflaschen zu Angeln, Männer werfen Münzen auf Zahlen, die Wasserträger von heute morgen haben einen langen Tag, sie sind immer noch da. Am Tag unserer Abreise gehen wir morgens um 5.00 Uhr über den verlassenen Platz, nur ein paar abgedeckte Stände, Müllcontainer und Katzen sind noch da. Aber bald geht alles wieder von vorne los.

Der Gauklerplatz ist der zentrale Ausgangspunkt der Altstadt. Immer wieder weisen die Einheimischen den Touristen im Gassengewirr der Medina den Weg zum Hauptplatz. Von hier geht es in den Souk oder zur Koutoubia Moschee mit ihrem hohen Minarett.

Marrakesch

Von hier starten die Kaleschen, die Kutschen ihre Rundfahrten. Ob im Souk, bei den Kaleschen oder den beigen Petit Taxi: überall wird gehandelt, gefeilscht und das meist leidenschaftlich und zuweilen dramatisch. Wer das nicht leiden kann oder menschenscheu ist, der ist hier verkehrt, denn man wird beim Handeln auch durchaus mal angefasst. Ohne Körperkontakt kommt man nicht durch die Medina. Die Gassen sind eng und oft voll, ein Eselkarren kommt einem entgegen, während hinter einem ein Moped sich hupend seinen Weg bahnt. Unsere sympathische und hilfsbereite Hotelmanagerin Isabelle, fragte besorgt nach, wie wir Marrakesch denn fänden, da es ja nicht jedermanns Fall wäre. Ich für meinen Teil liebe es! Die Gerüche, die Farben, den Trubel. Und das Essen. Tajine mit Huhn, Salzzitronen und Oliven – ein Gedicht. Und wem der Rummel der Medina zu viel wird, kann sich im Hamam entspannen oder aber im wunderschönen Jardin Majorelle eine Auszeit gönnen.Jardin Majorelle

Yves Saint Laurent wohnte hier, er liebte Marrakesch und ließ sich von den Farben Marokkos inspirieren. Das beeindruckende Yves Saint Laurent Museum ist gleich nebenan. Dem Trubel entfliehen kann man auch auf einer der vielen Dachterrassen der Stadt. Zum Beispiel im schönen Café Epice mit wunderbarem Blick auf den Place Rahba Kedima und das Atlasgebirge in der Ferne. Oder man schaut dem Gewusel am Gauklerplatz einfach von oben zu. An Cafés mit Terrassen mangelt es nicht. Zum Beispiel abends im schicken L‘ Adresse bei einem Virgin Mojito. Alkohol gibt es in der Altstadt mit den sieben muslimischen Heiligen nur selten. An Möglichkeiten mangelt es in der Millionenstadt jedenfalls nicht.

Marrakesch ist keine einfache Stadt. Gerade das macht sie faszinierend und inspirierend. Ich jedenfalls kehre mit dem Wunsch heim, meine Wohnung komplett marokkanisch einzurichten oder aber ein marokkanisches Café zu eröffnen. Und mit vielen Eindrücken im Gepäck… und zwei Berberketten, die ich nicht wirklich brauche, aber hart verhandelt habe.Marrakesch

Hier meine Tipps für Marrakesch:

Sich treiben lassen. Gegen den Strom schwimmen macht in dieser lebendigen Stadt ohnehin keinen Sinn. Da der „Gauklerplatz“ Jemaa el-Fna mit seinem Nachtmarkt wohl am bekanntesten ist, sei er hier nur nochmal kurz erwähnt.Souk

  1. Koutoubia Moschee. Das Minarett der Moschee gilt aufgrund seiner Höhe von 77 m als Orientierungspunkt in der Stadt.
  2. Saadier Gräber bei der Kasbah. In der 1917 wieder entdeckten Nekropole ruhen vier Sultane und viele Angehörige der im 16. Jahrhundert allmächtigen Dynastie der Saadier. Ein Besuch der prächtigen Gräber lohnt sich.
  3. Bab Agnaou. Das älteste Tor im Süden der Medina.
    Marrakesch ist von einer roten Stadtmauer von 19 km Länge umgeben, in der sich 20 Stadttore befinden. Das Bab Agnaou ist der Eingang ins Kasbah-Viertel. Gleich um die Ecke ist ein schöner Hamam: (Les Bains de Marrakesch) und die Saadier Gräber.Bab Agnaou
  4. Musée Yves Saint Laurent, Rue Yves Saint Laurent. Das 2017 eröffnete Museum ist ein fantastischer Ort und die Ausstellung begeistert selbst Modemuffel.
  5. Jardin Majorelle inklusive Berbermuseum. Gleich vorm Musée Yves Saint Laurent ist der Jardin Majorelles. Der Modemacher und Marokkofan Yves Saint Laurent kaufte einst diese Villa des Malers Majorelle. Ein herrlicher Ort um wieder Energie für die Souks von Marrakesch zu tanken. Im interessanten Berbermuseum kann man unter anderem den imposanten Berberschmuck bestaunen.
  6. Shop 33. Gleich beim Jardin Majorelle. Ein toller Laden!
  7. Palais Bahia. Ein prachtvoller Palast! Der an der Rue de la Bahia und mit unmittelbarer Anbindung an die Rue Riad Zitoun el Jedid gelegene Palast kann täglich von 08.30 Uhr bis 12.00 Uhr sowie von 14.30 Uhr bis 18.00 Uhr besichtigt werden. Kurz vor 1900 erbaut, besticht dieser ehemalige Palast eines Großwesirs durch seine orientalische Pracht.
  8. Jüdisches Viertel (Mellah). Schöner Souk mit Gewürzen. Gleich daneben ist der Goldsouk.
  9. Place des Épices. Kleiner, schöner Platz in der Medina. Einen besonders guten Blick auf den Platz hat man von der Dachterrasse vom Café des Epice. Bei schönem Wetter sieht man das Atlasgebirge.
  10. Medersa Ben Youssef. Die alte Koranschule war einst der einst mächtigste Ort der islamischen Welt. Viele Kostbarkeiten, Mosaike, Schnitzereien, Fresken und Stuckarbeiten. Die Koranschule gilt als Meisterwerk der morgenländischen Architektur.
  11. La Mamounia. In diesem wunderschönen und berühmten Luxushotel wohnt der Jetset. Das Art-déco Hotel ist legendär und man kann es auch ohne dort zu wohnen besuchen.
  12. Souk. An den Souks kommt man nicht vorbei, sie sind das Epizentrum des Handels in der Medina. Hier gibt es fast alles, von Tand bis zu altem Handwerk. Besonders sehenswert ist z.B. der Souk der Färber.
  13. Museum Marrakech. Das Museum befindet sich im Dar Menebhi Palast. Die Architektur ist beeindruckend. Place Ben Youssef, bei der Medersa Ben Youssef.
  14. Maison de la Photographie. Ein kleines, feines Museum in einem alten Gebäude mit tollen schwarzweiß Fotografien aus den vergangenen Jahren. Auch hier lohnt sich ein Besuch auf der Dachterrasse.
  15. MACAAL Museum der Name bedeutet: Museum of African Contemporary Art Al Maaden. Also ein Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst. Sehenswert.
Kasbah
Kasbah

Marrakesch liegt im Landesinneren des Königreichs Marokko, nördlich des Atlasgebirges. Sie gehört mit Meknès, Fès und Rabat zu den vier Königsstädten. Marrakesch wurde im Jahr 1070 gegründet und hat heute ca. 1 Million Einwohner. Die marokkanische Währung heißt Dirham (DH). 1 Euro entspricht ungefähr 10 Dirham. Für die Einreise braucht man einen Reisepass, der mindestens sechs Monate gültig ist. Mit dem Visum on arrival kann man bis zu 90 Tage im Land bleiben. Für den Abflug unbedingt genügend Zeit einplanen und 3 Stunden vorher am Flughafen sein! Marokko ist ein arabisches Land, beim Kofferpacken also bitte auf die richtige Kleidung achten. Vorsicht beim Fotografieren: nicht jeder mag das und am Gauklerplatz möchten die Akteure Geld dafür. Polizisten und Soldaten zu fotografieren ist verboten. Beste Reisezeit: Oktober bis Mai

Riad Dabachi
Riad Dabachi

Tipps:

  • Café des Epices, 75 Rahba Lakdima. Einmaliger Ausblick von der Dachterrasse aufs Atlasgebirge.
  • Nomad, 1 Derb Aarjane. Gegenüber vom Café des Epices. Schick. Hier kann man sogar einen Sundowner mit Alkohol trinken.
  • Zeitoun (Olive) Café am Gauklerplatz, sehr leckere Tajine. Es gibt auch ein Zeitoun Café bei der Kasbah.
  • La Cantine des Gazelles, 6 Dabachi Kennaria. Französisch-Marrokanisches Restaurant. Tolles Menü.
  • Hamam: Les Bains de Marrakech, 2 Derb Sedra beim Bab Agnou
  • Hoteltipp: Gewohnt haben wir im schönen Riad Dabachi www.riad-dabachi.com
La Cantine Des gazelles
La Cantine Des Gazelles

Tagesausflug: Essaouira (schöne Hafenstadt). Oder einen Tag ins Atlasgebirge. Tagesausflüge können meist übers Riad organisiert werden.

Wortschatz:
Danke – Shukran
Nein Danke – La shukran
Entschuldigung – smeh-li
Hallo – Marhab-an
Tschüss – Bslamah
Ja – Na’am
Nein – la‘
Medina – Altstadt
Souk – Markt
Bab – Tor
Tajine – Der Name steht sowohl für das Kochgefäß, als auch für das Gericht.
Couscous – Hartweizengries. Eine typische Beilage in der orientalischen Küche.
Harira – typische marokkanische Suppe mit Kichererbsen oder Linsen, Tomaten, Zwiebeln und Kräutern.

Harira
Harira

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